Das Glühweinmassaker zu Frankfurt

Das Glühweinmassaker wurde 2000 zum ersten Mal veranstaltet. Damals hab’ ich noch mit Karen, meiner Schwester, zusammen gewohnt. Karen hatte ja eigentlich vor, ihr Auslands-Praktikum in Architektur in Frankfurt zu machen und nach wieder in Schottland weiter zu studieren. Hat sie aber so nicht gemacht. Irgendwie ist sie in Frankfurt und damit auch in meiner Wohnung hängen geblieben. Naja. So wohnten wir zusammen in der Vereinsstraße 10 zu Frankfurt am Main. Und weil Karen in der unglaublichen Band „Puppenklinik“ Schlagzeug gespielt hat und die auch mal irgendwo spielen wollten, haben wir uns gedacht: Naja, sollen sie halt bei uns im Wohnzimmer spielen. Da stört’s wenigstens niemanden.

Termin ist eh’ klar: Nikolaus. War aber das erste Mal eher Zufall, weil Samstag. Doch sollten wir wirklich Scharen von „Puppenklinik“-Fans durch unsere Wohnung stiefeln und unsere Hausmilben aufscheuchen lassen? Weil Groupies sauen immer so rum, kippen willenlos Bier durch die Gegend und beschmieren die Wände mit Nudelsalat. Und weil Nudelsalat sowieso Scheiße ist, ist der schon mal von vorne herein verboten. Gegen randalierende Fans in der Wohnung kann man auch was machen: Die Fans nicht rein lassen. Wozu haben wir einen Garten? Damit die Buben und Mädels nicht frieren gibt’s Glühwein in rohen Mengen. Außerdem sind dann alle ein bisschen lockerer drauf und kommen besser miteinander ins Gespräch. Wie Karen auf die Idee mit den Weihnachtspommes gekommen ist, weiß ich auch nicht.
Glühweinmassaker I Flyer

Die Party war in jedem Fall ein ziemlicher Knaller. Der Glühwein war am Ende alle, der Garten ziemlich eingesaut, Isabell (die „Puppenklinik“-Sängerin) hatte schon bei dritten Stück die Stimme verloren und ich hab’ beim Leute einander vorstellen soviel Glühwein getrunken, dass ich binnen kürzester Zeit voll war wie zehn Otter.

2001...

...haben wir wieder ein Glühwein-Massaker organisiert. Karen hat zwar inzwischen nicht mehr in der Vereinsstraße gewohnt – aber das ist ja kein Hindernis.

Four Roses Diesmal haben die „Four Roses“ gespielt – sonst war aber alles wie im Vorjahr: Großartig. Übrigens haben wir bei der Gelegenheit bewiesen, dass man Bands nicht unbedingt fragen muss, ob sie spielen wollen. Meist reicht es, den Mitgliedern einen Flyer zu schicken, auf dem ihr Bandname und der Termin steht. Von dem 2. Glühweinmassaker gibt es übrigens (genau wie vom ersten) einen Livemitschnitt... vielleicht kommt ja bald was davon auf diese Website. Auch wenn die Aufnahme klingt, als würde man eine Band in einem Dixi-Klo die Treppe runterwerfen... – mal schauen inwiefern die GEMA dafür ihre hässliche Hand aufhalten würde).

Glühweinmassaker II Flyer

Besonders gut war der Einsatz meines Freundes Sven Rahn, der etwa gegen halb Drei, als fast alle schon gegangen waren, völlig besoffen bei uns durch’s Treppenhaus gestolpert kam und gefragt hat, ob die Band schon gespielt hat.

2002...

...wurde alles ein bisschen anders. Nun muss man vielleicht dazu sagen, dass das Haus in der Vereinsstraße eigentlich sowieso Abrissreif ist. Aber Steffi, Nina und ich hatte uns trotzdem die Mühe gemacht, die Wände neu zu verputzen. Naja, war nicht ganz freiwillig, denn bei beim Versuch, die Wände neu zu streichen, kamen die Tapeten mitsamt Putz und Decke runter. Juhu. Die Wohnung war also frisch renoviert und Steffi und Nina haben sich strikt geweigert, mich dort das Glühwein-Massaker veranstalten zu lassen. Die Alternative war zum Glück schnell gefunden: Das K2 in Heddernheim. Dort wohnen ein paar wirklich nette Leute in einem frei stehenden Haus. Und da gibt’s auch einen kleinen Partyraum mit Kamin und Bühne. Eigentlich ideal.

Freak.04 Steffi hat die großartige Band „Freak.04“ an den Start gebracht und Schutti hat obergeilen Sound gemacht – alles in allem also wieder eine großartige, kuschelige Veranstaltung.

Glühweinmassaker III Flyer

Höhepunkte hatte das Glühweinmassaker 2002 gleich mehrere: Mein völlig besoffener Freund und Leidensgenosse Herr Steyer fährt mit seinem ebenfalls besoffenen Chef (also dem Direktor des Investmentunternehmens, in dem Herr Steyer seinerzeit arbeitete...) in dessen silbernen Mercedes SLK in den Knietiefen Schlamm auf dem K2 Hof und versucht später, als der Gleichgewichtssinn endgültig aussetzt, sich am Glühweintopf festzuhalten... Moni, die Arme, hat’s abbekommen. Zum Glück gab’ es keine Verletzten...

2003...

...sollte eigentlich wieder im K2 stattfinden und es sollte die unglaubliche Band „Averse“ spielen – aber erstens sind „Averse“ wegen eines lädierten Schlagzeugers ausgefallen und zweitens hatten Steffi und ich so viel um die Ohren, dass wir die Fete einfach abgesagt haben. Außerdem wären unsere Katzies wahrscheinlich nicht sonderlich begeistert gewesen.

Und, das sollte vielleicht auch erwähnt werden, hatten Steffi und Nina und ich ziemlich viel Mühe mit der vollständigen Wiederherstellung unserer Küche gehabt. Die sich bei einem vorsichtigen "Hält die Tapete denn noch?"-Test schlagartig und vor allem vollständig selbsttätig in ein Open-Air-Schwimmbad verwandelt hatte. Und wer schon mal säckeweise Putz in den vierten Stock geschleppt und die Versuche von Mitbewohnerinnen, die Wohnung in ein Schlumpfhaus zu verwandeln und so abgewehrt hat, der wird sicherlich Verständnis dafür haben, dass man dann nur ungern Nudelsalat von den frisch geputzen, geschliffenen und gestrichenen Wänden kratzen möchte, egal, mit welcher Kunstfertigkeit und Sorgfalt selbiger (also der Nudelsalat) aufgebracht wurde. Ganz schön spießig, eigentlich...

2004...

...wurde es schon wieder ein ganz klein wenig anders. Also eigentlich total anders. Ein Teil der Veranstalter der großartigen Demo "Rock’n Go!" hatte beschlossen, dass Glühweinmassaker wieder zu rocken. Aber weil man ja keine halben Sachen macht (und vor allem, weil eigentlich gar kein Wohnzimmer mehr zur Verfügung stand), wird diesmal richtig heftig aufgefahren: Gleich vier Bands rocken die Bühne der Antagon-Halle. Wow. Das Lineup findet ihr hier auf dieser netter Homepage.

Glühweinmassaker IV Flyer Klar, mit dem ersten Glühweinmassaker hatte das nicht mehr so wahnsinnig viel gemein... doch. Eigentlich schon. Denn es war ein große, kuschelige, coole und fette Party. Immerhin gibt es unserer bescheidenen Meinung nach keine andere Halle auf der Welt, die – obwohl für über 300 Leute Platz ist – so kuschelig-klein und gemütlich wirkt. Und so lange es genügend Glühwein und Weihnachtspommes gibt, ist es auch ein echtes Glühweinmassaker. Oder?

2005...

...geht es weiter. Denn nachdem wir alle irre viel Spaß hatten mit dem Konzept des letzten Glühweinmassakers dachten wir: Aus Spaß an der Freud’! Nochmal! Juhuu!
Der Veranstaltungsort war sowieso klar: Die Antagon-Halle.
Glühweinmassaker V Flyer Neben bereits oben erwähnten Gründen bringt wohl niemand anders auf der Welt so viel Verständnis und vor allem technischen Support für unsere zugegebenermaßen recht ausgefallenen Unterhaltungsideen auf ("Flammenwerfer? Nö, kein Problem, so was haben wir...", "Naja, wir haben im Keller noch ein paar pfundige Scheinwerfer... aber da machen wir mal lieber einen Filter davor, bevor die Euch die Eisfläche wegschmelzen..."). Änderungen gibt es natürlich auch dieses Jahr: Als Pausenbespaßung wird das Birgatlon eingeführt (Hm. Warum heißt Birgatlon eigentlich Birgatlon, wenn Birger mit seinem breiten Popo auf einer Klappliege am Strand von... äh... hab’s vergessen... liegt und ich hier alles organisieren muss...? Naja, vielleicht, weil IANtlon irgendwie blöd klingt...) und überhaupt wurden wir in ein paar Aspekten etwas geschmeidiger. Zum Beispiel bekammen wir eine Kugelgelagerte Doppelfritteuse mit zwei oben liegenden Edelstahlsieben und einen Turbogeladenen Glühweintopf. Wow. Alles weitere? Hier findet ihr das Lineup von 2006!

2006...

war die Hölle. Mannmannmann. Da organisiert man ein kleines Glühweinmassaker. Und ist stolz wie Bolle, dass man den Chef vom fabelhaften Mousonturm, Master Karl Krause, bequatschen kann, einem dafür die Honsellbrücke zu leihen. Und RadioX ist im Boot und macht den Getränkeverkauf und Bla und so. Da organisiert man die geilsten derzeit erhältlichen Bands aus Frankfurt, zwei Heizgebläse, säckeweise Kartoffeln und dänische Remoulade (die mit den Kohlstückchen!). Literweise Glühwein und Schirme und Biertische und alles und überhaupt. Nur, damit es dieses Jahr ein hübsches, besinnliches und kuscheliges Fest wird. Und dann kommen 600 Leute. Uff. Meine Fresse.

Glühweinmassaker VI FlyerAber eigentlich kein Wunder. Bei dem Lineup: Pillow Fight Club (die rockenden Rumpelrüben-yeah!), Cloudberry (die melancholischen Gewitterwolken), die wahnsinnigen Perle (voll bitter-süßer Mürb-Pop) und die krassen Ayefore (ihr wisst, wen ich meine!). Moderiert von keinen geringeren als Horst Blue und seiner bezaubernden Assistentin Dr. Ruslana Onasis Krupp.

Krass. Ein Glück hatten wir die härteste Tür Deutschlands am Start und die Petra (die sowas von krass überkopf hängend Lampen aufhängen kann) und die Verena (die inzwischen Kartoffeln schält wie keine zweite auf dieser Welt) und den Hannes (der eben solche Kartoffeln wie der Junge Morgen mit Weihnachtsaustechern zu Weihnachtspommes verwandeln kann) und auch die Moni (die heldenhafte Eintöpfe für die heldenhaften Bands kocht) und die Katja und den Jan (der wie immer den schicksten Sound der Galaxis gezaubert hat) und den Marc und nicht zuletzt den PA-Thomas (der die Türen, die er aushängt auch immer wieder einhängt) und weißderhenkerwernochalles... trotzdem: so einen Wahnsinn mach’ ich nie wieder. Ischwör!

2007...

...gab es kein Glühweinmassaker. Zum einen, weil wir ja auch alle nicht jünger werden. Und in sackeskälte knietief im halbgefrorenen Schlamm stehen und billigen, heißen, klebrig-süßen Fusel trinken, sich anschreien (weil man ja wegen lauter Rocknroll schon ziemlich taub ist) und so, das ist alles nicht soooo wahnsinnig dufte pour la santé (wie die Franzosen zu sagen pflegen).

Und zum anderen, weil das alles natürlich Quatsch ist. Sondern vielmehr hatte unser Lieblingsradiosender RadioX 10 Jahre Geburtstagsfete und da wurde ziemlich ungezügelt gefeiert. Im Atelier. Und da haben der Herr Mess und der Herr Herquist auch ordentlich mitgemischt und einen kleinen (aber kuscheligen) Rundgang durch Frankfurts Musikszene an den Start gebracht – 4 Stunden Live-Radio. Mannmannmann. Und außerdem hab’ ich geheiratet. Und das feiert man auch nicht zu zweit in einem Schuhkarton (auch wenn solche Feten, falls man den Kinderliedermachern Glauben schenken darf, der ziemliche Brenner sind).

Jaja. Und nach soviel Feierei kann man sich nur noch schwer aufraffen, ein Glühweinmassaker zu organisieren. Aber am End stimmt der ganze Rhabarber vom Anfang doch und wir wollen es nur nicht zugeben.

2008...

...muss ich wohl noch schreiben, wa? Kurz: das GWM Null! Acht! war in den Frankfurter Landungsbrücken. Das Lineup gibt’s hier! Wow.